Onkologie

[Arbeitsprobe]:

Uniklinik berät zu Komplementärer Onkologie

Das Uniklinikum in Frankfurt am Main richtet eine Beratungsstelle für Naturheilverfahren in der Onkologie ein.

Von Thomas Meißner

Frankfurt/Main. Am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main gibt es eine Beratungsstelle für alternative Medizin und Naturheilverfahren bei Krebserkrankungen. Sowohl Patienten als auch niedergelassene Ärzte können sich dort ab sofort über naturheilkundliche Therapieoptionen informieren. Auch wenn die Barrieren zwischen Vertretern der Schulmedizin und naturheilkundlichen Verfahren in der Onkologie derzeit bröckeln, sei doch eine gewisse Unterscheidung notwendig und erforderlich, sagt Dr. Jutta Hübner, die bereits seit November 2009 den Bereich Komplementäre Onkologie am Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) leitet. „Für mich verläuft die Trennlinie eigentlich woanders“, so Hübner zur Ärzte Zeitung, „nämlich zwischen wissenschaftlicher Medizin auf der einen und alternativen Angeboten auf der anderen Seite.“

Hübner grenzt sich klar ab zu Angeboten, mit denen etwa Operationen oder Chemotherapien abgelehnt würden mit dem Argument, das gehe auch „ganz sanft“. Komplementärmedizin könne dagegen im Kontext eines wissenschaftlichen Behandlungskonzeptes stehen.

Die dafür notwendigen Wirksamkeitsnachweise liegen jedoch oft nicht oder in nicht ausreichendem Maße vor. Was Onkologen im Alltag ebenfalls stark umtreibt, ist die Problematik der Wechselwirkungen zwischen Chemo- oder Strahlentherapien und womöglich vom Patienten parallel und unkontrolliert angewendeten naturheilkundlichen Behandlungen. Da kaum jemand dieses große Feld überblickt, resultiert daraus der pauschale Hinweis: Lassen Sie das lieber! „Das ist die große Ablehnungsfront der Onkologen, die immer wieder wahrgenommen wird“, sagt Hübner. Es werden freilich trotz dieser Empfehlungen alternative Therapieangebote genutzt.
Patienten werden fähig, etwas für sich zu tun

Die Universität Frankfurt versucht daher, naturheilkundliche Methoden aus dieser Grauzone herauszuholen, wissenschaftlich zu evaluieren und die Patienten gezielt zu beraten, auch um Wechselwirkungen, die die Wirksamkeit einer Therapie reduzieren oder unerwünschte Effekte verstärken könnten, zu verhindern. Ein weiterer positiver Aspekt dieses Angebots sei, dass Patienten in die Lage versetzt werden, selbst etwas für sich tun, so Hübner.

Sie nennt drei Ziele der neu geschaffenen Abteilung komplementäre Onkologie. „Wir wollen dem Patienten, der in die Beratungsstelle kommt, eine individuelle Beratung anbieten. Was für Probleme hat der Patient? Was aus dem Bereich der komplementären Therapie passt zu seiner Behandlung, was nicht?“, sagt Hübner. Zweitens möchte sie in Fortbildungsveranstaltungen Kollegen für den Umgang mit komplementärmedizinischen Verfahren ein „gewisses Rüstzeug an die Hand geben“. Und schließlich sollen interessante Therapieansätze systematisch erforscht werden. Hübner wird nicht nur mit den internistischen Onkologen zusammenarbeiten sondern die Beratungsstelle steht jeglichen Patienten mit malignen Erkrankungen offen.
Wissenschaftliche Studien sollen gestartet werden

Die Internistin war lange Zeit Chefärztin an der Habichtswaldklinik in Kassel, an der man sich ebenfalls um eine Verbindung von Schul- und Komplementärmedizin sowie psychoonkologischen Angeboten bemüht. Aus dieser Arbeit bringt sie nach eigenen Worten ein breites Wissen darüber mit, was praktiziert wird, worüber Forschungsergebnisse existieren und worüber nicht. Gefragt, was sie in einem Jahr erreicht haben möchte, wünscht sie sich, dass die Ambulanz regional und womöglich überregional gut bekannt sein soll und dass naturheilkundliche Themen zunehmend in onkologische Fortbildungsveranstaltungen integriert werden. Und, wenn möglich, möchte sie zwei, drei wissenschaftliche Studien „am Laufen haben.“

Infos: www.uct-frankfurt.de

erschienen in: „Ärzte Zeitung“ vom 28. April 2010