Chirurgie

[Arbeitsprobe]:

Kunstharz stabilisiert Knochenfrakturen bei Senioren

Ein neues Verfahren zur Stabilisierung von Knochenfrakturen ist jetzt in Berlin vorgestellt worden. Dabei wird fotosensibles Kunstharz im Knochen platziert und mit Blaulicht ausgehärtet. Das minimal-invasive Verfahren eignet sich besonders für die oft komplikationsträchtigen Frakturen bei Senioren.

Dr. Frank Hoffmann von der Paracelsus-Klinik in Marl schilderte beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin das Vorgehen bei einer typischen Außenknöchelfraktur, Typ Weber B: Auf Höhe der Fibulaspitze wird ein etwa fünf Millimeter langer Hautschnitt angelegt, der Knochen mit einem Pfriem eröffnet und unter Bildwandlerkontrolle schließlich der Markraum für die Implantation des Kunstharzes vorbereitet. Über einen Führungsdraht wird ein Ballon eingebracht und dieser mit einem Kunstharz befüllt, wie er bereits seit Jahren in der Zahnmedizin angewendet wird. Die Position des Ballons kann jederzeit fluoroskopisch kontrolliert werden. Der Ballon ist mit einem Lichtkabel verbunden, über das schließlich Blaulicht appliziert wird, so dass das Kunstharz aushärtet.

Bis Februar 2012 haben Hoffmann und seine Kollegen elf Patienten im Alter von durchschnittlich 80 Jahren mit Weber-B-Frakturen auf diese Weise versorgt. In allen Fällen durchbauten sich die Frakturen ohne Komplikationen. Postoperative Kernspintomographien ergaben regelrechte Stellungen der Sprunggelenksgabeln.

Die Mobilisierung der Patienten erfolgt schmerzadaptiert ab dem ersten postoperativen Tag. Der Eingriff selbst dauert lediglich 20 bis 30 Minuten.

Erste Versuche mit dem Material waren nach Hoffmanns Angaben an Mittelhand- und Mittelfußknochen sowie am Schlüsselbein erfolgt. Inzwischen wird das für die Frakturbehandlung zertifizierte Material auch an großen Röhrenknochen im Hybridverfahren mit osteosynthetischen Materialien verwendet.

So berichtete Dr. Steffen Heck vom St. Vincenz-Hospital in Köln über erfolgreiche Behandlungen bei Patienten mit Peri-Implantat-Frakuren am distalen Humerus sowie weiteren primär osteosynthetisch versorgten Humerusschaft- und Femurfrakturen. Das Kunstharz (IlluminOss®) ist durchbohrbar, so dass auch Schrauben platziert werden können. Vor allem dürfte das Verfahren bei der zunehmenden Zahl alter Menschen mit osteoporotisch geschwächten Knochen hilfreich sein, um diesen mit dem sich der individuellen Markraumkonfiguration anpassenden Kunstharz zu stabilisieren und zu augmentieren, hieß es.

erschienen auf: www.SpringerMedizin.de/Orthopaedie, 5. November 2012