Onkologie

[Arbeitsprobe]:

Hoffnungsvolle Entwicklung bei Stammzelltherapie

Die Stammzelltherapie bei akuter myeloischer Leukämie ist effektiver und verträglicher geworden, nicht zuletzt durch die enge Zusammenarbeit aller europäischen Transplantationszentren in der EBMT*.

Von Thomas Meißner

Lag die Überlebenswahrscheinlichkeit von Patienten akuter myeloischer Leukämie (AML) lange bei insgesamt etwa zehn Prozent, seien die Ergebnisse in den vergangenen Jahrzehnten „dramatisch besser geworden“, sagt Professor Dietger Niederwieser aus Leipzig, besonders auch bei älteren Patienten. Dies sei unter anderem auf die neuen Charakterisierungsmöglichkeiten der Erkrankungen sowie auf verbesserte Stammzelltransplantationsergebnisse zurückzuführen. Zudem wird heute früher transplantiert als noch vor Jahren, nämlich in der Phase der ersten Komplettremission.

Bessere Supportivtherapie reduziert Sterberate

Hinzu kommen Fortschritte bei der unverwandten Stammzelltransplantation (SZT), deren Ergebnisse denen der verwandten SZT inzwischen gleichzusetzen sind. Weiterhin können Patienten heute in validierte Risikoprofile eingeordnet und entsprechend behandelt werden. Die verbesserte supportive Behandlung, etwa mit Antibiotika und Antimykotika, sowie vergleichsweise weniger toxische Medikamente haben die behandlungsbedingte Mortalitätsrate in den vergangenen 20 Jahren um 50 Prozent reduziert. Dadurch kann mit der SZT die Mehrzahl der AML-Patienten in erster Komplettremission geheilt werden. Die bedeutendsten Erfolge sind bei Patienten mit Hochrisiko-Zytogenetik erzielt worden.
Kurative Therapie auch bei alten Patienten möglich

Behandlungsprotokolle mit reduzierter Konditionierung ermöglichen inzwischen auch Patienten ab 55 und bis 75 Jahren eine kurative Therapie, sagt Niederwieser und verweist auf Phase-I- und Phase-II-Studien. Der EBMT*-Präsident leitet eine seit Anfang dieses Jahres laufende europäische Multicenterstudie, in die 240 AML-Patienten über 60 Jahre mit vorhandenem Spender eingeschlossen werden sollen und bei denen die SZT randomisiert gegen eine Chemotherapie geprüft wird.

Niederwieser erwartet aufgrund bisheriger Erfahrungen einen Unterschied von 30 Prozent zugunsten des SZT-Armes der Studie. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Projekt.

Bereits mehr als ein Drittel aller Patienten mit allogener SZT in Europa erhalten eine SZT mit reduzierter Konditionierung. Dies geht aus einer Analyse des Transplantationsregisters der EBMT hervor, in der mehr als 28.000 Stammzelltransplantationen pro Jahr dokumentiert werden. Genutzt wird dabei der Graft-versus-Leukemia-Effekt, also das immunologische Potenzial der übertragenen blutbildenden Zellen.

Durchgesetzt hat sich zudem die SZT aus peripherem Blut. Bei fast 70 Prozent aller allogenen und bei 100 Prozent aller autologen SZT würden inzwischen periphere Stammzellen verwendet, berichtet Niederwieser. Außerdem überwiegen seit vergangenem Jahr Transplantationen von nichtverwandten Spendern, was unter anderem auf die vergrößerten Spenderdateien und die verbesserten Charakterisierungsmöglichkeiten der Transplantate und Empfänger zurückzuführen ist. Weiterhin haben sich die Resultate von haploidenten Transplantationen deutlich verbessert. Für Patienten ohne Spender wird zunehmend Nabelschnurblut als Stammzellquelle genutzt, auch wenn diese insgesamt eine untergeordnete Rolle spielt: von etwa 10000 SZT pro Jahr in Europa sind etwa 600 Nabelschnurblut-SZT. Voraussetzung ist unter anderem eine ausreichende Zellzahl (bestimmt pro Kilogramm Körpergewicht).

Bei optimalem Risikoprofil überleben AML- und CML-Patienten heute zu etwa 90 Prozent nach einer Stammzelltransplantation. Hauptaufgabe der kommenden Jahre müsse nach Niederwiesers Meinung sein, die SZT weniger belastend für die Patienten zu machen und die Behandlungsprotokolle weiter zu individualisieren.

*EBMT – Europaen Group for Blood and Marrow Transplantation

erschienen in: „Ärzte Zeitung für Onkologen und Hämatologen“, Ausgabe Januar 2010