Chirurgie

[Arbeitsprobe]:

Endoskopische Schilddrüsen-Op ohne Schnitt am Hals

Berlin (ner). Eine neue minimal-invasive Operationsmethode an der Schilddrüse ist an der Helios-Klinik in Berlin-Buch eingeführt worden. Chefarzt Dr. Eckhard Bärlehner geht mit seinen endoskopischen Instrumenten am Rand der Brustwarzen ein. Die Erfahrungen mit der Methode sind aber noch begrenzt.

Von Thomas Meißner

Durch die zwei etwa fünf Millimeter langen Inzisionen an beiden Brustwarzen führt Bärlehner die Kamera sowie die endoskopischen Instrumente zwischen Haut und Unterhautfettgewebe zum Hals. Wie bei laparoskopischen Operationen im Abdomen bläst er das Operationsfeld mit Kohlendioxid auf, um die Organe auseinanderzudrängen und die Sicht zu verbessern.

Die Optik liefere zudem ein etwa siebenfach vergrößertes Bild auf dem Monitor, sagte Bärlehners Mitarbeiter Privatdozent Tahar Benhidjeb zur „Ärzte Zeitung“. Über einen dritten Zugang in der rechten Achselhöhle wird das resezierte Schilddrüsengewebe entfernt. Dieser Hautschnitt ist, je nach Bedarf ein bis zwei Zentimeter lang.
Eventuell muss Knotendignität mit Punktion geklärt werden

Diese minimal-invasive Operationsmethode kommt für Patienten in Frage, die kalte, maximal 30 mm großen Schilddrüsenknoten haben. Die Knoten müssen gutartig sein. Im Zweifelsfall werde die Dignität des Knotens vor dem Eingriff per Punktion geklärt, so Benhidjeb. Bislang seien drei Frauen nach dem Verfahren operiert worden. Die Operationszeit betrug bei der ersten Patientin vier Stunden, bei der dritten zweieinhalb Stunden. Benhidjeb ist überzeugt, dass sich mit zunehmender Erfahrung die Operationszeit weiter verkürzen wird. Komplikationen seien nicht aufgetreten.

Wie bei jedem Schilddrüsen-Eingriff bestehe potentiell ein Blutungsrisiko sowie die Gefahr einer Rekurrenzparese oder Hypokalziämie. Diese Risiken könnten durch eine sorgfältige Präparationstechnik vermieden werden.

Manche Schilddrüsen-Chirurgen stehen der aus Japan stammenden Methode kritisch gegenüber, wie etwa Dr. Christian Vorländer vom Bürgerhospital in Frankfurt am Main. Solche endoskopischen Operationen seien mit einem „extremen apparativem Aufwand“ verbunden. Vorländer hält es für fraglich, ob angesichts des rein kosmetischen Vorteils dieser Aufwand und die erheblich verlängerte Operationszeit gerechtfertigt seien.

Vorländer favorisiert die in Deutschland zunehmend verbreitete minimal-invasive Miccoli-Operation, ein kombiniert offen-endoskopisches Verfahren, das die Berliner ebenfalls anbieten.

Die Miccoli-Op ist eine offen-endoskopische Operation

Bei der Miccoli-Op wird im Jugulum ein 2 bis 3 cm langer Hautschnitt quer angelegt. Das Endoskop dient in erster Linie der Darstellung des Stimmbandnerven. Die durchschnittliche Op-Zeit betrage in Frankfurt, wo etwa zehn bis 15 Prozent aller Schilddrüsenoperationen wegen kalter Knoten minimal-invasiv ausgeführt werden, bei beidseitiger Operation 82 Minuten. In geübter Hand sei die Miccoli-Methode ebenso sicher wie die klassische offene Operation, meint der Chirurg mit Verweis auf veröffentlichte Daten von mehr als 1000 Patienten.

Benhidjeb dagegen spricht im Zusammenhang mit der rein endoskopischen Operation von einem „Quantensprung“. Seit 100 Jahren habe es kaum wesentliche Fortschritte in der Schilddrüsenchirurgie gegeben. „Der kosmetische Vorteil ist für eine junge Frau unbezahlbar!“ Die Helios-Klinik in Berlin-Buch ist die deutschlandweit einzige Klinik, die diese Operation anbietet.

erschienen in: „Ärzte Zeitung“ vom 8. Juni 2005